Ein Stadion als Symbol für Ressourceneffizienz

15. Jan. 2019

Autor

GreenCycle

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Dr. Peter Göhrlich und Dietmar Böhm

„Wir wollen unser Stadion zu einem Symbol für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz machen“

PreZero und die TSG Hoffenheim gehen gemeinsam neue Wege beim Umweltschutz. Als erstes sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit wird das Stadion der TSG Hoffenheim zum Start der Rückrunde 2019 in PreZero Arena umbenannt. Was die Kooperationspartner darüber hinaus planen, erläutern TSG-Geschäftsführer Dr. Peter Görlich und Dietmar Böhm, Geschäftsleiter von PreZero, im Interview.

Herr Dr. Görlich, Herr Böhm, die TSG spielt ab sofort in der PreZero Arena. Wie kam es zu dieser Partnerschaft? Ein Fußballverein und ein Entsorger haben ja auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam.

Görlich: Einspruch! Ich denke, wir passen sehr gut zusammen.

Stattgegeben. Bitte erklären Sie es uns.

Görlich: Natürlich freuen wir uns darüber, dass wir in PreZero einen Stadionsponsor für die nächsten Jahre verpflichten konnten. Aber eine solche Partnerschaft ergibt ja erst dann wirklich Sinn, wenn beide Seiten über die finanzielle Unterstützung hinaus Gemeinsamkeiten teilen. Und genau das ist hier der Fall. PreZero ist für uns nicht einfach ein Namensgeber, sondern ein strategischer Partner: Gemeinsam wollen wir unser Stadion zu einem zukunftsweisenden Ort für Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz machen.

Warum ist das Thema Nachhaltigkeit für einen Fußballverein wie die TSG überhaupt wichtig?

Görlich: Wir sind davon überzeugt, dass mit unserer hervorgehobenen Stellung als Bundesligist auch eine besondere Verantwortung einhergeht. Natürlich liegt unser Fokus zunächst einmal darauf, erfolgreich Fußball zu spielen. Wir wollen als Verein aber auch Vorbild sein. Fußball besitzt hierzulande eine ungeheure Strahlkraft. Die wollen wir dazu nutzen, Themen zu besetzen, Projekte zu entwickeln und etwas zum Guten zu bewegen. Deswegen haben wir unsere nachhaltige Zukunftsstrategie „TSG ist Bewegung“ erarbeitet. In ihr spielt das Thema Ökologie eine wichtige Rolle. Ich bin sicher, dass auch unsere Fans dieses Engagement erwarten.

Und da kommen Sie ins Spiel, Herr Böhm.

Böhm: Genau. Am Anfang stand für uns die Frage, wie wir die TSG mit unserem Know-how als Spezialist für Nachhaltigkeit und
Umweltschutz unterstützen können. Dafür haben wir mal genau analysiert, was die TSG in diesem Bereich bereits unternimmt und wo es möglicherweise noch Verbesserungspotenzial gibt.

Was kam dabei heraus?

Böhm: Wenn man sich anschaut, was die Bundesligaklubs in Sachen Nachhaltigkeit derzeit tun, dann steht die TSG im Vergleich schon heute sehr gut da. Wir wollen der TSG dabei helfen, ganz nach oben zu kommen.

Görlich: Das kann ich nur unterstreichen. Wir wollen bei der Nachhaltigkeit in die Champions League.

Ein ehrgeiziges Ziel. Wie wollen Sie das erreichen?

Böhm: Da gibt es nicht die eine große Lösung. Es sind viele einzelne Maßnahmen, die in der Summe dann den Erfolg bringen. Das fängt bei Kleinigkeiten an: Beispielsweise haben wir der TSG geraten, die Aufstellung der Container zu verändern, in denen die Reinigungskräfte nach einem Spiel den Müll entsorgen. Bislang standen nämlich die Restmüll-Container vorne. Da war die Versuchung groß, dort gleich alles reinzuwerfen. So kommen Reiniger als Erstes zu den Sammelbehältern für Pappe und Papier. Restmüll steht künftig ganz hinten.

Und das bringt was?

Böhm: Und ob! Menschen sind nun mal bequem. Unsere Leute haben sich übrigens mal die Mühe gemacht, den Abfall, der an einem durchschnittlichen Spieltag im Stadion anfällt, zu analysieren. 60 Prozent von dem, was heute im Restmüll landet und verbrannt wird, könnte wiederverwertet werden. 60 Prozent!

Görlich: Das Team von PreZero hat uns schon bei ersten Treffen eine beeindruckende Liste mit Punkten vorgelegt, die wir verbessern können. Das reicht von der Energieerzeugung über die Mobilität bis hin zur Abfallentsorgung. Außerdem können wir unserer Verantwortung noch stärker gerecht werden, wenn wir unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet transparenter machen. Manches davon setzen wir schon um, anderes werden wir in den nächsten Monaten zusammen anpacken.

Was tun Sie, um die TSG und das Stadion nachhaltiger zu machen?

Görlich: Einiges können die Zuschauer schon heute sehen.  Beispielsweise werfen wir den Rasenschnitt nicht mehr einfach weg, sondern verarbeiten ihn zu Papier. Daraus wollen wir unter anderem unsere Autogrammkarten machen – so haben auch die Fans etwas davon.

Böhm: Beim Mineralwasser nutzen wir schon heute die „Saskia“-Flasche aus der Schwarz Gruppe, die überwiegend aus recyceltem Material besteht. Die Styroporbecher für Glühwein in der Arena haben wir auf wiederverwertbare Becher umgestellt. Und aus organischen Abfällen könnte Biogas gewonnen werden.

Wie steht es um das Thema Energieerzeugung?

Görlich: Die Solaranlage auf dem Carport erzeugt schon heute so viel Strom, dass wir damit den Tagesbedarf der benachbarten Einrichtungen rund um die PreZero Arena decken könnten. Wir denken ständig über neue Möglichkeiten nach, beispielsweise bei der Entsorgung oder auch Versorgung rund um die Heimspiele in der PreZero Arena und der sinnhaften Nutzung der Flächen rund um die Arena außerhalb der Spieltage.

Apropos Verkehr: Haben Sie dafür auch Ideen, Herr Böhm?

Böhm: Ja klar. Bei der Schwarz Gruppe haben wir zum Beispiel eine App eingeführt, über die sich unsere Mitarbeiter zu Fahrgemeinschaften zusammenschließen. Das könnte man relativ einfach auch auf die TSG übertragen, um den Verkehr zu den Heimspielen zu reduzieren.

Beziehen Sie auch die Mannschaft in diese Maßnahmen mit ein?

Görlich: Wir haben das natürlich auch im Mannschaftskreis angesprochen und sind dabei auf große Zustimmung gestoßen. Unsere Spieler sind enorm reflektiert und wissen natürlich um die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit. Unser Trainer Julian Nagelsmann macht sich immer wieder für einen bewussten Umgang mit den Ressourcen stark und spricht über die Themen Umwelt und Klimaschutz auch immer wieder öffentlich. Diese jungen Sportler sind sich ihrer Vorbildrolle durchaus bewusst.

Hilft ihnen das auch sportlich?

Görlich: Viele Spieler engagieren sich außerhalb des Platzes gesellschaftspolitisch. Entweder haben sie ihre eigenen Initiativen oder unterstützen die des Klubs. Das hat schon etwas mit Identifikation und damit auch mit Motivation zu tun. Am Ende profitieren alle: Mannschaft, Klub, Umfeld.

Herr Böhm, können Sie sich bei PreZero etwas von der TSG abschauen?

Böhm: Absolut. Fußball ist ein Mannschaftssport. Ein einzelner Spieler kann zwar viel bewegen. Aber gewinnen kannst du letztendlich immer nur gemeinsam. Teamgeist, Fairness, unbedingter Siegeswille – das sind alles Werte, die für uns als Unternehmen wichtig sind. Insofern gibt es viele Parallelen.

Sie sind mit PreZero in Ihrer Branche ein Newcomer –
auch eine Parallele?

Böhm: Kann man so sagen. Es war schon beeindruckend, wie es der TSG gelungen ist, sich binnen weniger Jahre in der Spitzengruppe der Bundesliga zu etablieren. Das wollen wir mit PreZero in unserer Branche auch erreichen. Wobei bei uns ja eigentlich nur der Name und die Aufstellung neu sind. Dahinter stehen mit der Schwarz Gruppe oder dem Entsorgungsunternehmen Tönsmeier, das wir kürzlich übernommen haben, ja keine Anfänger, im Gegenteil: Ich denke, mit unserer Erfahrung von 90 Jahren Entsorgung und im Handel sowie mit der Stärke der Schwarz Gruppe im Rücken sind wir gut aufgestellt, um unsere Ziele zu erreichen.